Analyse von Erkenntnisobjekten der Wirtschaftsinformatik anhand der Voestalpine Railway systems GmbH
1. Beschreibung des Unternehmens
1.1 Die Voestalpine AG
Die Voestalpine AG ist ein österreichisches Unternehmen mit etwa 500 Konzerngesellschaften und Standorten in über 50 Ländern, welches zu den Führenden in der Stahl- und Technologieindustrie gehört (Voestalpine AG, 2026a). Seit 1938, damals unter dem Namen „Reichswerke AG für Erzbergbau und Eisenhütten „Hermann Göring““, ist das Unternehmen ein Pionier in der Metallverarbeitung und insbesondere für die Verarbeitung von hochwertigem Stahl und anderen Stahlprodukten bekannt (Voestalpine AG, 2026b). Momentan beschäftigt die Voest etwa 50.000 Mitarbeiter rund um den Globus (Voestalpine AG, 2026a).
1.2 NS-Vergangenheit
Wie der Name der Firma aus dem Jahr 1938 vermuten lässt, gab es eine Nähe zum NS-Regime. Durch diese Nähe und die damit verbundenen Investitionsflüsse und im Verlauf des Zweiten Weltkriegs vorhandenen Zwangsarbeitskräfte konnte das Unternehmen in kürzester Zeit aufgebaut werden (Voestalpine AG, 2026d). Das Unternehmen spielte eine Schlüsselrolle in der Rüstungsindustrie des Dritten Reiches. Erst Ende 1998, etwa 53 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, wurde mit der historischen Aufarbeitung dieser Vergangenheit begonnen. Bis zum Börsengang im Jahr 2003 war die Voestalpine zumindest zum Teil ein österreichisches Staatsunternehmen (Voestalpine AG, 2026a).
1.3 Gliederung des Konzerns
Die heutigen Agenden des Unternehmens sind neben wirtschaftlicher Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit auch die soziale Gerechtigkeit gegenüber den Mitarbeitern sowie die Nachhaltigkeit (Voestalpine AG, 2026c). Die Mitarbeiterbeteiligung ist eines der Kernelemente der Personalbindung der Voestalpine. Das Ziel, langfristig CO2-Emissionen in der Stahlproduktion zu sparen, treibt den Konzern zu massiven Investitionen in neue Projekte und Innovationen, vor allem auch in Österreich (Voestalpine AG, 2026a).
Der Konzern gliedert sich heute in vier Divisionen, welche sich wiederum in die einzelnen Tochterunternehmen unterteilen. Die Branchen, in welchen die Voestalpine aktiv ist, sind sehr vielfältig: Automobilindustrie, Luftfahrt, Bau, Bahn und Energiesektor. Die vier Divisionen sind die Steel Division, die High Performance Metals Division, die Metal Forming Division und die Metal Engineering Division. Unsere Gruppenarbeit beleuchtet konkret die Voestalpine Railway Systems GmbH (Voestalpine AG, 2026a).
1.4 Die Voestalpine Railway Systems GmbH
Die Voestalpine Railway Systems GmbH (vormals Bahnsysteme), deren Geschichte bis zur 1851 gegründeten Hugo Hütte zurückreicht, blickt auf eine 175-jährige Historie. Schon 1866 begann die Hugo Hütte mit der industriellen Weichenherstellung, ein Produktionsgebiet, in dem die Voestalpine Railway Systems GmbH heute noch tätig ist und in dem sie weltweit führend ist. 2003 wurde die Voestalpine alleiniger Eigentümer; den heutigen Namen erhielt das Unternehmen 2020.
Die Produkte und Dienstleistungen beziehen sich hauptsächlich auf Schienen und schienenbezogene Infrastruktur (Voestalpine AG, 2026e). Dazu gehören neben der Produktion von Weichen und Gleisen auch Beratung, Bau und Wartung der Bahninfrastruktur (Voestalpine AG, 2026i). Zu den Kunden zählen u. a. die Österreichischen Bundesbahnen, die Deutsche Bahn und die Schweizer Bundesbahnen (Seyringer, 2026). Zur Durchführung der Aufträge arbeiten etwa 8.500 Mitarbeiter an über 50 Standorten weltweit.
Forschungsschwerpunkte sind u. a. widerstandsfähige Materialien, Schwingungs- und Vibrationsdämpfer sowie intelligente Weichen. Nachhaltigkeit und Langlebigkeit sind zentrale Themen, ebenso digitale Lösungen wie Überwachungs- und Steuerungssoftware (Voestalpine AG, 2026f).
Diese Innovationen führten das Unternehmen an die Weltspitze. Durch die enge Zusammenarbeit mit anderen Teilen der Voestalpine kann das Unternehmen die gesamte Wertschöpfungskette abdecken – von der Stahlerzeugung über die Verarbeitung bis zur Installation und Instandhaltung (Voestalpine AG, 2026e).
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2. Erkenntnisobjekte der Wirtschaftsinformatik
2.1 Informationssysteme
Informationssysteme beschreiben die Zusammenarbeit von Mensch, Aufgabe und Technik mit dem Fokus auf effizientem Einsatz und Integration zur Lösung von Problemen sowie zur Digitalisierung von Prozessen. Ein zentrales Element sind Anwendungssysteme (AS), die fachliche Aufgaben in Unternehmen (z. B. Buchhaltung, Planung) computergestützt lösen (Mertens et al., 2023).
Innerhalb dieser Systeme werden Aufbau und Abläufe eines Unternehmens digital abgebildet und über Schnittstellen verbunden, um möglichst ganzheitlich mit den vorhandenen Daten arbeiten zu können. Die zentrale Herausforderung besteht oft in der Zusammenführung betriebswirtschaftlicher Daten mit technischen Daten, z. B. in der Produktionsplanung (Scheer, 2025, S.200).
Man kann Informationssysteme in inner- und interorganisatorische Systeme unterteilen. Innerorganisatorische Systeme sind für den Einsatz innerhalb eines Unternehmens ausgelegt; interorganisatorische Systeme ermöglichen organisationsübergreifende Informationsverarbeitung zwischen Unternehmen, Kunden, Lieferanten und Behörden (Gehring & Gluchowski, 2025, S.84).
2.2 Informationsinfrastruktur
Die Informationsinfrastruktur bildet die Basis für den Betrieb von Anwendungssystemen und die Umsetzung digitaler Innovationen. Sie umfasst die physischen Komponenten sowie organisatorische Rahmenbedingungen, die eine moderne Informationsverarbeitung ermöglichen.
Teilbereiche verbinden unterschiedliche Anwendungskontexte sowie lokale und globale Ebenen und integrieren Akteure auf verschiedenen fachlichen Ebenen. Die Informationsinfrastruktur ist oft tief in die Arbeitsinfrastruktur eines Unternehmens eingebettet und richtet sich nach den unternehmerischen Zielen (Kollmann, 2018, S.10).
2.3 Informationsfunktion
Die Informationsfunktion umfasst die Erzeugung und Vermittlung von Wissen via Kommunikation und erstreckt sich über Grund- und Querschnittsfunktionen eines Unternehmens. Für die Wirtschaftsinformatik bildet sie die Grundlage für die Gestaltung technischer Instrumente zur Informationsversorgung.
Der Fokus liegt auf der Unterstützung von Entscheidungsprozessen durch moderne Informations- und Kommunikationstechniken. Menschliche Aufgabenträger, organisatorische Strukturen und technische Infrastrukturen sind eng verknüpft (Heinzl et al., 2024, S.10).
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3. Beschreibung von Informationssystemen, Informationsinfrastruktur und Informationsfunktion der Voestalpine Railway Systems GmbH
3.1 Einleitung
Die Wirtschaftsinformatik, die die Erkenntnisobjekte Informationssystem, Informationsinfrastruktur und Informationsfunktion umfasst, beschäftigt sich mit deren Nutzung und Analyse. Sie sorgt dafür, dass Synergien zwischen den Bereichen genutzt werden und Prozesse effizienter werden.
3.2 Informationssysteme
Die Informationssysteme der Voestalpine Railway Systems GmbH umfassen Management-, Geschäfts- und Unterstützungsprozesse. Managementprozesse sind häufig stabil und reichen von lokalen Gesellschaften bis zur Holding.
Diese Systeme beeinflussen die Geschäftsfelder der verschiedenen Gesellschaften einheitlich (z. B. Berichtswesen). Unterstützungsprozesse werden oft zentralisiert, sodass ein Austausch von Mitarbeitenden zwischen Standorten erleichtert wird.
Beispielhaft ist der Engineering-/Konstruktionsprozess: Der Ingenieur plant mit CAD, prüft mit CAE und nutzt CAP zur Produktionsplanung. Daten aus CAD/CAE/ CAP fließen in PDM und weiter in CAM/MES/ERP, wodurch die Vernetzung der Informationssysteme sichtbar wird.
3.3 Informationsinfrastruktur
Die Informationsinfrastruktur besteht nicht nur aus Hardware und Software, sondern auch aus Personal und Räumen. Ein Ausfall kann erhebliche Folgen bis hin zu Gefährdungen für Menschen haben.
Zur personellen Infrastruktur gehören IT-Personal, Ingenieure und Vertrieb, die Systeme betreuen und Daten einspeisen. Physische Infrastruktur umfasst PCs, Server, Netzwerke, Maschinen und Sensoren. Digitale Infrastruktur umfasst die eingesetzten Programme für Planung, Konstruktion, Produktion und betriebliche Prozesse wie Personalmanagement und Rechnungswesen.
3.4 Informationsfunktion
Die Informationsfunktion verbindet Querschnitts- und Grundfunktionen (Logistik, Personal, Controlling, Beschaffung, Produktion, Absatz) und unterstützt operative Entscheidungen im Unternehmen. Grundlage sind fundierte Daten, die realitätsnahe Planung und verlässliche Entscheidungen ermöglichen.
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Quellenverzeichnis
Gehring, H., & Gluchowski, P. (2025). Wirtschaftsinformatik. Springer Fachmedien Wiesbaden.
Heinzl, A., Mädche, A., & Riedl, R. (2024). Wirtschaftsinformatik: Einführung und Grundlegung. Oldenbourg Verlag.
Kollmann, T. (Ed.). (2018). Handbuch Digitale Wirtschaft. Springer Fachmedien Wiesbaden.
Mertens, P., Buxmann, P., Hess, T., Schumann, M., Hinz, O., & Muntermann, J. (2023). Grundzüge der Wirtschaftsinformatik. Springer Berlin / Heidelberg.
Rink, K. (2025). Digitale Werkstätten: Technografische Perspektiven auf die Verwicklung von Cyberinfrastruktur und Werkstätten für behinderte Menschen. Springer Fachmedien Wiesbaden.
Scheer, A.-W. (2025). Digitale Industrie: Daten – Prozesse – Metaverse. Springer Fachmedien Wiesbaden.
Voestalpine AG. (2026a). Organigramm.
https://www.voestalpine.com/group/de/konzern/ueberblick/organigramm/
Voestalpine AG. (2026b). Unsere Geschichte.
https://www.voestalpine.com/group/de/konzern/ueberblick/historie/
Voestalpine AG (2026c). Soziales.
https://www.voestalpine.com/group/de/konzern/nachhaltigkeit/soziales/
Voestalpine AG (2026d). Zwangsarbeit.
https://www.voestalpine.com/group/de/konzern/ueberblick/historie/ns-zwangsarbeit/
Voestalpine AG (2026e). Schienenproduktion.
https://www.voestalpine.com/railway-systems/de/produkte/track-systems/schienen/schienenproduktion/
Voestalpine AG (2026f). Digital Track Management.
https://www.voestalpine.com/railway-systems/de/standorte/voestalpine-digital-track-management/
Voestalpine AG (2026g). Produkte für die Bahnindustrie.
https://www.voestalpine.com/group/de/produkte/bahn-produkte/
Voestalpine AG (2026h). ÖBB Weichendiagnose.
https://www.voestalpine.com/railway-systems/de/unternehmen/erfolgsgeschichten/oebb-weichendiagnose/
Voestalpine AG (2026i). Über das Unternehmen.
https://www.voestalpine.com/railway-systems/de/unternehmen/ueber/
Seyringer, K. (2026). Bahnaufträge im Wert von 500 Millionen Euro für voestalpine.